Was macht ein Bad rollstuhlgerecht?
Rollstuhlnutzende sollten ins Bad hineinfahren und die Tür schließen, sich darin umdrehen, seitlich vom Rollstuhl aufs WC umsetzen, so nah an den Waschtisch heranfahren, dass die Knie darunter passen, und ohne Stufe in die Dusche gelangen können. Jedes davon ist ein Maß, und die Größe des Bads ergibt sich aus der Summe dieser Maße.
Dieselben Maße erleichtern das Bad auch älteren Menschen, Menschen mit Gehhilfe, Menschen, die sich von einer Operation erholen, und Eltern, die ein kleines Kind baden. Deshalb erspart es dir einen teuren Umbau später, wenn du in einem neuen Zuhause mindestens ein Bad nach diesen Maßen planst.
Größe des Bads: eine Wendefläche von Ø150 cm
Damit sich ein Rollstuhl auf der Stelle drehen kann, ist ein Kreis von etwa 150 cm Durchmesser nötig. In der Türkei verlangt der Barrierefreiheitsleitfaden des Ministeriums im WC-Raum Ø150 cm frei von WC, Waschtisch und anderen Ausstattungen; in Deutschland sind in einer rollstuhlgerechten Wohnung vor jedem Sanitärobjekt 150 × 150 cm vorgeschrieben, auf der Grundstufe 120 × 120 cm; in den USA Ø152,5 cm. Der Kreis darf nicht in den Schwenkbereich der Tür ragen; deshalb gehen Türen in barrierefreien Bädern nach außen auf oder sind Schiebetüren.
Das Bad im Beispielplan hat 7,5 m². Um in einem kleineren Bad die Wendefläche unterzubringen, muss die Dusche bodengleich sein, damit auch die Duschfläche zur Bewegungsfläche gehört; Deutschland erlaubt in diesem Fall, die Duschfläche auf die Wendefläche anzurechnen.
WC: Höhe, Abstand zur Wand und Bewegungsfläche
- Sitzhöhe: in der Türkei 43–48 cm, in Deutschland 46–48 cm, in den USA 43–48,5 cm. Ein Standard-WC ist etwa 40 cm hoch; ein Wand-WC wird höher montiert, oder man verwendet eine Sitzerhöhung.
- Bewegungsfläche: mindestens 90 cm freie Fläche auf einer Seite des WCs, um seitlich aus dem Rollstuhl umzusetzen. In Deutschland ist diese Fläche 70 cm tief, also von der Vorderkante des WCs bis zur Rückwand.
- Wandseite: in der Türkei mindestens 46 cm zwischen WC-Achse und Seitenwand; in England 45–50 cm; in den USA 40,5–45,5 cm. Deutschland verlangt auf der anderen Seite des WCs mindestens 30 cm für eine Hilfsperson.
Haltegriffe
Der Griff auf der Seite zum Umsetzen lässt sich hochklappen: Heruntergeklappt kann man sich daran festhalten, hochgeklappt versperrt er das Umsetzen aus dem Rollstuhl nicht. In der Türkei liegt der Klappgriff 25–35 cm über dem Sitz und 30–35 cm von der WC-Achse entfernt; in Deutschland gibt es auf beiden Seiten Stützklappgriffe, Oberkante 28 cm über dem Sitz, 65–70 cm Abstand zwischen den beiden Griffen. Auf der Wandseite kann ein fester Griff ergänzt werden. Wo ein Griff hinkommt, sollte die Wand von Anfang an dafür verstärkt werden.
Waschtisch und Spiegel
Unter dem Waschtisch sollte kein Schrank sein, sondern freier Raum, damit die Knie der Rollstuhlnutzenden darunter passen. In der Türkei liegt die vordere Oberkante des Waschtischs bei höchstens 86 cm, darunter mindestens 68,5 cm Kniefreiraum; in Deutschland liegt die Vorderkante bei höchstens 80 cm, der Kniefreiraum ist 67 cm hoch und mindestens 55 cm tief. Der Siphon ist flach und liegt hinten, die Armatur hat einen langen Hebel. Der Spiegel beginnt direkt über dem Waschtisch, sodass man sich im Sitzen wie im Stehen sieht.
Bodengleiche Dusche
Die Dusche ist bodengleich: Es gibt keine Duschwanne und keine Schwelle, das Wasser läuft über das Bodengefälle zum Ablauf. Deutschland erlaubt eine Absenkung von höchstens 2 cm; die Duschfläche misst 120 × 120 cm, in einer rollstuhlgerechten Wohnung 150 × 150 cm. In der englischen Kategorie der Wohnungen für Rollstuhlnutzende werden alle Duschräume als Nassräume (wet room) gebaut. Dazu kommen ein klappbarer Wandsitz und eine Handbrause an einer Gleitstange.
Badtür
In der Türkei müssen Innentüren mindestens 90 cm breit sein; der Leitfaden des Ministeriums misst dies als lichte Durchgangsbreite bei geöffnetem Türblatt und empfiehlt eine Türöffnung von mindestens 100 cm. In Deutschland geht die Badtür nicht nach innen auf und hat ein von außen entriegelbares Schloss; in England geht sie ebenfalls nach außen auf. Eine Schiebetür hält die Wendefläche frei und braucht keinen Platz im Flur. Eine Schwelle gibt es nicht.
Maße für barrierefreie Bäder nach Ländern
| Maß | Deutschland | Vereinigtes Königreich | USA | Türkei |
|---|---|---|---|---|
| Wendefläche | 120 × 120 · R: 150 × 150 | M4(3): Ø150 | Ø152,5 | Ø150 |
| WC-Höhe | R: 46–48 | M4(3): mindestens 40 | 43–48,5 | 43–48 |
| Neben dem WC | R: 90 × 70 | WC-Achse 45–50 von der Wand | 152,5 × 142 um das WC | ≥ 90 auf einer Seite |
| Oberkante Waschtisch | R: ≤ 80 | 77–85 | ≤ 86,5 | ≤ 86 |
| Kniefreiraum | R: ≥ 67 | M4(3): unterfahrbar | 68,5 | ≥ 68,5 |
| Dusche | ≤ 2 Absenkung; 120 × 120 · R: 150 × 150 | M4(3): Nassraum | 76 × 152,5; Schwelle ≤ 1,3 | bodengleich, ohne Schwelle |
| Tür, licht | ≥ 80 · R: ≥ 90; geht nicht nach innen auf | 75–85; geht nach außen auf | ≥ 81,5 | ≥ 90 |
Maße in Zentimetern. In Deutschland steht „R“ für die uneingeschränkt rollstuhlgerechte Wohnung, in England M4(3) für Wohnungen für Rollstuhlnutzende. In der Türkei stammen die Maße für die Badaufteilung aus dem Leitfaden des Ministeriums und sind Empfehlungen; Türbreite und Schwellenverbot stehen in der Bauordnung für Planungsgebiete. Alle Regeln und ihre Quellen findest du auf der Seite Barrierefreies Planen.
Barrierefreie Bäder in Nodaform
Der Schritt „Barrierefrei“ in Nodaform prüft dein Bad mit diesen Maßen: Passt eine Wendefläche von Ø150, wie viele Zentimeter sind neben dem WC frei, wie groß ist die lichte Durchgangsbreite der Tür, und kommst du mit dem Rollstuhl bis ins Bad? Barrierefreies WC, klappbarer und L-förmiger Haltegriff, klappbarer Duschsitz, bodengleiche Dusche und unterfahrbarer Waschtisch findest du im Schritt „Möbel“ in der Kategorie „Barrierefreies Wohnen“. Alles kostenlos.
Die Regeln in diesem Artikel stammen aus amtlichen Texten mit Stand 28. Oktober 2026. Vorschriften können sich ändern; prüfe vor der Umsetzung den aktuellen Text und hol dir den Rat zugelassener Architekten.